Silber-Grusel-Krimi Nr. 153: Mit Helena zärtlich grausam sein
Silber-Grusel-Krimi Nr. 153: Mit Helena zärtlich grausam sein


Jens von Heseldorp nahm allen Mut zusammen für seinen schweren Gang vom Gemeindehaus durch die stürmische Nacht zur uralten Kirche. Sie lag Inmitten des Friedhofs auf der Warft am Ende des Dorfes. »Ich bin es der Gemeinde schuldig. Also werde ich mir Gewißheit verschaffen, ob sich unbekannte Täter an Kai-Uwe Andersons Leiche zu schaffen machten.« Der Junge Mann öffnete das schmiedeeiserne Tor mit dem Wappen seines alten Adelsgeschlechts. Der Mond, von Zeit zu Zeit von jagenden, dunkel drohenden Wolken verdeckt, tauchte die schief stehenden, moosbewachsenen Grabsteine und Kreuze in gespenstisches Licht. Rechts vom Weg stand die mächtige Eiche, von der man sagte, sie habe ihre jungen Wurzeln vom geschundenen Leib der Striga Anja von Niebüll genährt, die im 15. Jahrhundert unter der Folter gestanden hatte, ein Kind verbrannt, dessen Asche mit anderen Speisen vermischt, gegessen und Luzifer in Gestalt eines Katers an ekelhafter Stelle geküßt zu haben. Links erhob sich in unziemlichem Marmor hinter blühendem Holunder die Familiengruft derer von Heseldorp. Habgier und Neid hatten schwelenden Familienhader zu unversöhnlichem Haß, lange vor dem Dreißigjährigen Krieg, entfacht.


von Cater Saint Clair, erschienen am 23.08.1977, Titelbild: Faba

Rezension von Postman:


Kurzbeschreibung:
Der Gemeindediener einer ostfriesischen Ortschaft Jens von Heseldorp macht sich auf die Jagd nach einem Leichenschänder. Frisch Verstorbenen wird noch in der Leichenhalle der Kopf angebohrt, ohne dass es dafür ein Motiv gibt. Da kommt dem Gemeindediener der junge Vagabund Holger Biehl gerade recht, denn er will ihn als Köder einsetzen. Für 5000 Mark erklärt sich der Wagemutige bereit in einen Sarg zu klettern um in der Leichenhalle als potentielles Opfer den Täter abzupassen. Jens von Heseldorp liegt zur gleichen Zeit auf der Lauer und hält regelmäßigen mit einem Sprechfunkgerät Kontakt. Als Holger Biehl nicht mehr antwortet wird er kopflos im Sarg vorgefunden. Tage später trifft sein Bruder Peter Biehl, ein Wissenschaftler und Naturheilkundler, bei Jens von Heseldorp ein und behauptet der Ermordete hätte sich aus dem Jenseits gemeldet und um Hilfe gebeten. Heseldorp, der den Mordfall vertuscht hat, wird von Peter Biehl bloß gestellt und dadurch gezwungen ihm zu Diensten zu sein. Die Spuren führen ziemlich schnell zu Jens Heseldorps Bruder Jörn die sich spinnefeind sind. Jörn von Heseldorp hat aus Griechenland nicht nur eine Komplizin namens Helena mitgebracht, sondern auch mehrere der mystischen Kyklopen Augen (Link) . Im Zuge geheimnisvoller Experimente des Verbrecherpärchens wird ein solches Auge einem gefangen genommenen Trucker Fahrer nahe der Zirbeldrüse eingesetzt, mit dessen Hilfe nun übernatürliche Aktionen durchgeführt werden können. Mit Überfällen und Erpressungsaktionen versuchen sich die beiden mit dem ferngesteuerten Kyklopen Giganten als Druckmittel zu bereichern. Jens Heseldorp und Peter Biehl dringen derweil in die Unterkunft der Verbrecher ein und finden dort alle Unterlagen als Beweisgrundlage. Das einzige Gegenmittel scheint ein weiterer künstlicher Kyklop zu sein. Jens von Heseldorp stellt seinen Körper zur Verfügung und zwingt Peter Biehl ihn zu operieren. Wird der Plan gelingen?


Meinung:
Ein klassischer 0 Punkte Kandidat. Einen größeren Schwachsinn mit schablonenhaft gezeichneten Charakteren und einer dümmlicheren Story habe ich selten gelesen. Die letzten 10 Seiten musste ich mit mehreren Pausen lesen. Nur ein Auszug meiner Fragen sind: Obwohl Jörn von Heseldorp offensichtlich schon reich und größenwahnsinnig ist, versucht er noch reicher zu werden und erregt mit seinen Aktionen so viel Aufsehen wie ein Elefant im Porzellanladen, warum? Warum sind Gehirnoperationen so einfach dass Sie fast jeder beherrscht, sollte ich es selbst auch mal probieren? Die Krönung von allem sind aber die Peter Biehls schwarze Orchideen, welche Mörder entlarven in dem Sie schreien und auch noch aus der Ferne mittels eines Kurvendiagramms ausgewertet werden können. Der Autor verwendet zudem auffallend viele Fremdwörter die schon in den Siebzigern entweder veraltetet waren oder nachgeschlagen werden mussten. Der Titel des Romans ist noch am gelungensten.


0 von 5 möglichen Kreuzen:
0 Kreuze


Kommentare zum Cover:

Obwohl sehr grob gezeichnet ist dem Bild ein Gruselfaktor nicht abzusprechen. Nur leider passt die unheimliche Gestalt eindeutig nicht zur Handlung, denn außer Dreiäugige kommen keine anderen Monster vor.


Coverbewertung:
2 Kreuze

Zusatzhinweise zu dem Cover kommen von Michael Schick:
Das Titelbild des Silber Grusel-Krimi Romans stammt ursprünglich vom Cover des spanischen Comic-Magazins "SELECCION TERROR" von Curtis Garland:

"SELECCION TERROR" von Curtis Garland


Auf einem weiteren spanischen Comic-Magazin (DOSSIER NEGRO Nr. 46) wurde das Monster dann ebenfalls noch einmal abgebildet. Allerdings gibt es auf den Titelbildern einige Unterschiede, so hat die Bekleidung des Monsters eine andere Farbe und der Hintergrund wurde völlig anders gestaltet:

Dossier Negro Nr. 46


Da auf dem im März 1973 erschienenen US-amerikanischen Comic-Magazin PSYCHO Nr. 11 das gleiche Titelbild wie auf dem DOSSIER NEGRO-Magazin verwendet wurde, war das Monster natürlich auch hier noch einmal zu sehen:

PSYCHO Nr. 11


Wenn man sich das Monster aber einmal genau anschaut, dann erkennt man recht schnell, dass es sich hierbei um die Kopie einer Zeichnung von Harold Foster handelt, welche dieser für eines seiner ersten Prinz Eisenherz-Comics gezeichnet hat. Hier ist der betreffende Ausschnitt aus der spanischen Ausgabe des Eisenherz-Comics:

Comicausschnitt aus Prinz Eisenherz