Larry Brent Nr. 155: Totenkopf-Roulette
Larry Brent Nr. 155: Totenkopf-Roulette


Der Mann erschien pünktlich im Büro. Anabelle Chantrue hob den Blick. In den dunklen Augen der attraktiven grazilen Französin blitzte es kurz auf. Was für ein Mann! Zwei Meter groß schätzte sie ihn, mit Schultern, breit wie ein Schrank. Der Besucher war salopp gekleidet, trug einen roten, gepflegten Vollbart, hatte eine gerade, aristokratische Nase und der Duft eines dezenten Männerparfüms haftete ihm an. "Sie sind Fürst Iwan." Es klang nicht wie eine Frage, sondern wie eine Feststellung. Der kräftige Russe nickte und lächelte. Seine makellos weißen Zähne blitzten. Iwan Kunaritschew reichte der hübschen Französin die Hand. Anabelle kam hinter dem Schreibtisch hervor. "Mein Vater erwartet Sie schon, Fürst. Vor wenigen Augenblicken hat er noch nach Ihnen gefragt." "Es ist schön, wenn man Freunde im Ausland hat", sagte Iwan Kunaritschew. "Es ist dann leichter, Fuß zu fassen und seinen Geschäften nachzugehen. Ich bin Ihrem Vater sehr, dankbar, daB er bereit ist, sich meiner anzunehmen. Er ist in Paris ein bekannter und einflussreicher Mann." Anabelle Chantrue lächelte, legte die schmale Hand auf die Klinke des Arbeitszimmers und drückte sie herab. Kunaritschew nahm die Fingerspitzen der Französin und hauchte galant einen Kuß auf den Handrücken: "Sie sind zauberhaft, Mademoiselle? Ich hoffe, daß Sie mir die Gelegenheit. geben, Sie mal in Paris auszuführen." "Darüber können Sie ja ein Wort mit meinem Vater reden." Sie öffnete die Tür ganz. Iwan Kunaritschew, der sich seit drei Tagen in Paris aufhielt, im besten Hotel der Stadt abgestiegen war, hatte sich als Fürst Iwan bekannt gemacht, und so war seine Ankunft auch aus Amerika angekündigt worden, wo die Familie fünf Jahrzehnte lebte. Iwan Kunaritschew, als jüngster Sproß der Fürstenfamilie, war angeblich beauftragt, mit den Honoratioren der Stadt und den Finanzmagnaten bekannt zu werden, um über ein millionenschweres Geschäft zu verhandeln, das auf privatwirtschaftlicher Basis durchgeführt werden sollte. Das Geschäft und der Fürst waren Vorwand.


Rezension von Postman:


Kurzbeschreibung:
Iwan Kunaritschew alias X-RAY-7 wird nach Paris gesandt, um dort mehr über eine geheimnisvolle Loge herauszufinden, welcher auch Graf Armand Leucate angehören soll. Als Fürst Iwan getarnt will er auch sofort Kontakt mit dem Fabrikanten Paul Chantrue aufnehmen, der sich angeboten hat ihn dort einzuführen. Leider liegt bei seinem Antrittsbesuch nur noch sein Kopf auf dem Schreibtisch was seiner Tochter Anabelle eine Bemerkung über ein Totenkopf-Roulette über die Lippen lockt bevor sie an der Seite Kunaritschews ohnmächtig wird.
Sein Freund und Kollege Larry Brent alias X-RAY-3 hat zur gleichen Zeit im wahrsten Sinne des Wortes in der Hand des riesigen Götzen CHAOS andere Sorgen. Kurz bevor er erdrückt wird rettet ihn ein geheimnisvoller Lichtstrahl. Er findet May Thompson und gemeinsam macht man sich, nach dem beide Ihre Erlebnisse kundgetan haben, auf den Weg nach BRAEMER. Unterwegs werden beide von übersinnlichen Kräften attackiert denn die Kräfte des Götzen und damit sein Einfluss auf die hiesige Welt scheinen zu steigen. Mit lebendig gewordenen Toten könnte man noch kämpfen, jedoch stehen Larry und May wild gewordenen Naturgewalten wie Erdbeben und Lavaströme hilflos gegenüber. Kunaritschew und der herbeigerufene Chabrol mit Mannschaft suchen derweil den Rumpf und die Mordwaffe des Fabrikanten die jedoch unauffindbar sind. Anabelle kann leider auch nicht mehr dazu sagen und kann sich merkwürdigerweise an Ihre Bemerkung zum Totenkopf-Roulette nicht mehr erinnern. X-RAY-7 fährt daraufhin zu seinem Hotel. Kurz darauf meldet sich Anabelle erneut, da nun der Fabrikanten Tochter etwas eingefallen zu sein scheint. Iwan trifft am Anwesen der Chantrues ein und findet die Wohnungstür offen und die Räume durchsucht vor. Überraschenderweise wird er als er ein altes Pergament findet von Paul Chantrue ertappt und mit einer Waffe bedroht. Die herbeigerufenen Polizisten entpuppen sich als Komplizen und CHAOS Anhänger, nehmen Iwan gefangen und schleppen ihn gefesselt an dem Portier vorbei. Dieser scheint nichts zu bemerken, weshalb die Mitglieder der Loge wohl die Fähigkeiten haben anderer Menschen Wahrnehmung zu beeinflussen. Mit verbundenen Augen wird der russische Agent in ein Anwesen irgendwo in der Stadt gebracht. Die Augenbinde abgenommen muss er ein Roulette und sieben Kapuzengestalten erblicken. Eine davon gibt sich als Anabelle Chantrue zu erkennen. Das besondere an der Roulette Scheibe ist, dass dort statt Zahlenfelder Fotos angezeigt werden und auf dessen Konterfei die Kugel landet dessen Inhaber der Tod in Form einer Schwertstreichs Richtung Hals gewiss ist. Kunaritschews Foto ist zwar auch dabei, der Zufall oder wohl eher die Wahl fällt jedoch auf den ermittelnden Kommissar Chabrol, der in einigen Kilometern Entfernung vor den Augen seines Assistenten von einem erscheinenden Schwert geköpft wird. Wird das Roulette Spiel nun zum zweiten Mal für Iwan gestartet? Ist sein Kollege Larry Brent bereits tot?


Meinung:
Hier offenbart sich einer der Schwächen des Altmeisters. Fortsetzungen sind eher nicht die Stärken von Jürgen Grasmück alias Dan Shocker, denn Band 2 des CHAOS-Zyklus kann man als künstliche Streckung und somit als Durchschnitt sehen. Einige Logiklöcher tun sich auf, die ich aber nicht näher beschreiben will, da ich sonst so manche Auflösung um finalen dritten Band vorneweg nehmen würde. Immer wieder werden auch schon bekannte Themen nochmals durchgekaut bzw. zieht sich ein Gespräch schon mal über 2-3 Seiten hin, was mich als Leser langweilte.


Besonderheiten:
2. Teil des sogenannten CHAOS-ZYKLUS


2 von 5 möglichen Kreuzen:
2 Kreuze


Kommentare zum Cover:

Im Roman kommt leider kein Turban Träger vor. Eines der wenigen Titelbilder wo ich mir unsicher bin ob dies von Lonati (LO) ist oder nicht. Das Motiv ist makaber und heutzutage würde wohl der geliebte Jugendschutz stärker kreischen. Ein gutes Cover aber auch nicht mehr oder weniger.


Coverbewertung:
4 Kreuze
Es gab einen Zusatzhinweis zu dem Titelbild von Michael Schick:
Das Titelbild des Larry Brent Romans wurde auch schon auf dem Cover des spanischen Comic-Magazins FANTOM Nr. 24 verwendet:

Fantom Nr. 24