Larry Brent Nr. 22: Schreie aus dem Sarg
Larry Brent Nr. 22: Schreie aus dem Sarg


Sie war beschwipst, als sie, das Glas in der Hand, auf den Balkon wankte. Aus dem riesigen Saal hinter ihr, erklang das Lachen fröhlicher Menschen. Nanette atmete tief die milde Luft ein. Der Boden unter ihr schien sich wellenförmig zu bewegen. Sie merkte nicht, wie sich schattengleich eine Gestalt neben dem schweren, mit Goldfäden durchwirkten Vorhang bewegte und ungesehen von den anderen geladenen Gästen ebenfalls auf den Balkon huschte. Eine Hand legte sich auf ihren Mund. Nannette wollte blitzartig herumwirbeln und schreien - doch nur ein dumpfes Gurgeln kam über ihre Lippen. Zu schwach, zu leise, um im Trubel des Festes gehört zu werden. Das Champagnerglas entglitt ihren verkrampften Fingern und fiel über die Balkonbrüstung siebzehn Stock in die Tiefe. Nanette wurde von starken Armen über den Boden geschleift. Sie war unfähig, sich zu bewegen. Die Benommenheit nahm zu, ihre Glieder wurden schwer. Die Hand auf ihrem Mund! Sie atmete die betäubenden Dämpfe ein, die den Poren der Handinnenfläche entströmten ...


Rezension von Benfi:


Kurzbeschreibung:
In Conakry/Guinea verschwinden die Töchter von bessergestellten Familien und werden ein paar Tage später tot aufgefunden. Da es sich bei diesen Familien zumeist um der weißen Rasse zugehörigen Menschen handelt, vermutet die Polizei sowie auch die PSA, welche schon im Hintergrund an diesem Fall arbeitet, daß hinter diesen Tötungen die sagenumwobene Organisation "Gnamous" steckt. Diese möchte die Weißen aus ihrem Land, ja sogar vom Kontinent Afrika vertreiben. Und wie es bei dieser Organisation üblich ist, werden die Opfer zu lebenden Toten gemacht, was zur Folge hat, daß die Personen ohne sich auch nur zu rühren ihre eigene Beerdigung mitbekommen. Werden sie aber nicht beerdigt, wandeln sie als Untote umher und attackieren ihre Mitmenschen! So soll es auch bei Nanette Luison geschehen, welche von einer Party ihrer Eltern entführt wird! Gefunden wird nur noch ihre Leiche. Dann allerdings bedroht man ihren Vater und drängt ihn, die Tochter schnell zu begraben. Da schreitet Larry Brent ein. Er verschiebt alle Beerdigungspläne und versucht an die Anführer der geheimnissvollen Organisation zu kommen, um Nanette eventuell doch noch zu retten. Gleichzeitig soll in Epernay/Frankreich die ebenfalls in Guinea verstorbene Charlene Simonelle beigesetzt werden. Doch durch einen Schrei aus ihrem Sarg wird die Zeremonie verschoben. Und tatsächlich erhebt sich Charlene wieder und greift ihre Familie an. Wie kann man diese gefährlichen Attacken von "Gnamous" stoppen und wer ist der Anführer?


Meinung:
Der erste Roman, in dem sich Dan Shocker sich mit dem Thema des Untotseins abgibt. Die Variante davon in diesem Roman ist - wie viele andere auch - aus Afrika und ähnelt dementsprechend dem klasssischen Voodoo. Allerdings hat der gute Dan hier völlig daneben geschossen. Sehr langatmig baut er hier die Handlung auf, welche dann auch noch ohne großen Knall endet. Genauer ausgedrückt hat der Roman keinen wirklichen Höhepunkt, auf den die Geschichte hinauszielt. Schlimmer noch: der komplette zweite Handlungsstrang in Frankreich ist zwar gut geschrieben und hat durchaus einige gruselige Passagen, doch ist innerhalb der gesamten Story eigentlich völlig überflüssig! Und mit der alleinigen Festnahme des Anführers der Organisation dürfte eine solche Mächtige eigentlich kaum resignieren und sich auflösen. Der bisher schwächste Larry Brent Roman!


Besonderheiten:
Erscheinungsdatum SK 851: 21.07.1970
Erscheinungsdatum SGK 21: 27.06.1972
Erscheinungsdatum LB 022 : 09.02.1982


1 von 5 möglichen Kreuzen:
1 Kreuz


Kommentare zum Cover:

Erstmalig wurde das Cover tatsächlich bei allen Auflagen des Romans verwendet. Das liegt bestimmt daran, daß die Szene, aus der die mit Pfeilen vollbespickte Frau aus dem Sarg steigt und der Medizinmann sie beschwört, ziemlich genau so in dem Roman auftaucht. Allerdings ähnelt die Dame auf dem Cover irgendwie einem Igel. Ein komischer Anblick!


Coverbewertung:
1 Kreuz

Das selbe Titelbild wurde ebenfalls für den Geister-Schocker Nr. 31 verwendet:

Geister-Schocker Nr. 31: Mein Bruder, der Dämon