Der Hüter Nr. 4: Kampf um das Drachenblut

Der Hüter Nr. 4: Kampf um das Drachenblut


Ein Geräusch ließ Dr. Thomas Hartmann zusammenfahren, denn obwohl es kaum lauter war als das Rascheln von Seide, wirkte es in der umliegenden Stille wie ein Pistolenschuss. Hartmann blickte auf, vergaß augenblicklich den soeben gelesenen Text und spürte, wie sein Herz wild in seiner Brust zu pochen begann. An sich war der Wissenschaftler nicht sehr schreckhaft. Eigentlich war sogar das genaue Gegenteil der Fall, wie Dr. Hartmann bei zahlreichen Forschungsreisen durch Südamerika oder Asien bewiesen hatte. Vor drei Jahren jedoch hatte sich einiges für den aufstrebenden Experten der Mikrobiologie und Biochemie verändert. Damals waren vier gut gekleidete Herren zu ihm nach Hause gekommen und hatten mit ernsten Mienen allerhand Lobhudeleien über ihn und seine Talente von sich gegeben, so dass es Hartmann bereits nach der dritten Minute sehr unangenehm geworden war. Danach waren sie dann konkret geworden und hatten ihm ein Angebot gemacht, exklusiv für sie zu arbeiten. Hartmann, der damals einen kleinen Forschungsauftrag von der Universität Hamburg in Arbeit hatte, war zunächst skeptisch gewesen, zumal die Herren davon sprachen, aus der Stadt, in welcher er auch geboren worden war, wegziehen zu müssen und seine Arbeit eher im unauffälligen, ja eigentlich fast schon geheimen Rahmen fortzusetzen. Aber zweierlei hatte Hartmanns Bedenken wie einen störenden Fussel weggewischt: Zum einen der großzügig dotierte Scheck, der ihm überreicht wurde und bei dem ihn die Anzahl der Nullen hinter der Eins schwindeln ließ. Zum anderen die Aussicht, mit wirklich interessanten Projekten gefordert zu werden und alleinverantwortlich daran arbeiten zu können.


von Stefan Albertsen, erschienen im Dezember 2006
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